Was ein Myom ist: ein gutartiger Muskelknoten in der Gebärmutterwand. Etwa jede zweite Frau entwickelt im Leben eines, Beschwerden haben aber nur etwa ein Viertel – vor allem starke oder verlängerte Blutungen, Druck auf Blase und Darm, Unterbauchschmerzen und daraus folgend Blutarmut (Anämie).
Bei Beschwerden stehen heute mehrere Wege zur Wahl: abwarten und beobachten, Medikamente, ein organerhaltender Eingriff – oder die Entfernung der Gebärmutter. Ein relativ neues Verfahren ist die transzervikale Radiofrequenzablation, bekannt als Sonata-System (Abkürzungen am Ende). Dieser Beitrag ordnet ein, was belegt ist, was unsicher ist – und welche zwei Fragen vor jeder Entscheidung geklärt sein sollten.

Schemazeichnung, keine maßstabsgetreue Anatomie.
Was das Verfahren macht
Ein Gerät vereint eine Ultraschallsonde mit einem Applikator für Radiofrequenz. Es wird durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Der Ultraschall zeigt die Myome in Echtzeit, anschließend verödet gebündelte Hitze das Myomgewebe. Es wird also Gewebe zerstört – das Myom wird nicht herausgeschnitten.
Der Eingriff dauert meist 15 bis 40 Minuten. Narkoseform und Aufenthalt sind je nach Zentrum unterschiedlich: Studien und Zentren berichten sowohl Sedierung als auch Vollnarkose, teils tagesklinisch, teils mit einer Übernachtung. Wer „in der Regel ambulant" verspricht, überzeichnet.
Was belegt ist – und von wem
Wichtig vorweg: Die zentralen Studien zu Sonata (SONATA, FAST-EU) und das Register VITALITY sind einnarmige Kohortenstudien ohne Vergleichsgruppe, überwiegend vom Hersteller finanziert. Sie zeigen, wie es den behandelten Frauen erging – sie zeigen nicht, ob ein anderes Verfahren besser gewesen wäre. Wer das nicht dazusagt, verkauft Marketing als Wissenschaft.
- Blutung und Symptome: In der FAST-EU-Studie berichteten 86 Prozent der Frauen mit submukösen Myomen und 81 Prozent mit großen Myomen (über fünf Zentimeter) nach drei Monaten über eine Reduktion der Blutungsstärke. In der SONATA-Studie gaben nach zwölf Monaten rund 90 Prozent eine Symptombesserung an.
- Erneute Eingriffe (12 Monate): Bei Frauen mit ausschließlich submukösen Myomen lag die Rate in FAST-EU bei 3,7 Prozent. In SONATA trat im Beobachtungszeitraum kein erneuter Eingriff auf – aus „0 von n" lässt sich aber keine Rate von 0 Prozent ableiten, das wäre statistisch falsch.
- Komplikationen: Hersteller und Anwender berichten über mehr als 10.000 Anwendungen von sehr wenigen Komplikationen, meist vorübergehend stärkeren Blutungen oder Schmerzen. Das ist eine Selbstauskunft, keine unabhängige Erhebung.
- Erfahrungsberichte aus der Praxis nennen Quoten von etwa 80 Prozent Beschwerdefreiheit nach drei Zyklen und 92 Prozent nach zwölf Monaten. Solche Zahlen sind Eindrücke aus Zentren, keine Studiendaten – sie gehören nicht in ein Evidenzkapitel, ohne genau so gekennzeichnet zu werden.
Was unsicher ist – und warum das wichtig ist
- Kinderwunsch: Die Zulassungsstudien haben Frauen mit aktivem Kinderwunsch überwiegend ausgeschlossen. Es gibt Fallberichte über Schwangerschaften nach Sonata, und MRT-Daten deuten auf eine weitgehend erhaltene Gebärmutterwand hin. Das ist kein Beweis für eine sichere oder erhaltene Fertilität.
- Direkter Vergleich: Es gibt keine Head-to-Head-Studien, die Sonata direkt mit Myomektomie, Hysterektomie oder Uterusarterienembolisation vergleicht. Jede Aussage über Überlegenheit ist ein indirekter Vergleich.
- Grenzen der Methode: Bei submukösen und subserösen Myomen ist die Datenlage begrenzter. Für sehr große Myome oder sehr viele Myome fehlen belastbare Daten. Größe und Anzahl sind damit ein limitierender Faktor.
- Kein Maßstab: Ob die Gebärmutterwand nach der Ablation in einer späteren Schwangerschaft stabil bleibt, ist nicht systematisch untersucht.
Sicherheit: was VOR dem Eingriff geklärt sein muss
Weil bei der Ablation Gewebe zerstört wird, ist der Weg danach versperrt: Das behandelte Myom steht nicht mehr für eine feingewebliche Untersuchung zur Verfügung. Deshalb gilt:
- Vor jeder Ablation muss ein Malignom ausgeschlossen sein – durch Untersuchung und, wo indiziert, Endometriumsbiopsie.
- Die Diagnostik davor (Ultraschall, ggf. MRT) entscheidet mit: Zahl, Größe und Lage der Myome müssen bekannt sein.
- Eine Adenomyose (Gebärmutterwand-Befall, keine Myom-Indikation) muss abgegrenzt werden – sonst wird das falsche Verfahren gewählt.
Die Alternativen – vollständig, nicht ausgewählt
Ein Vergleich, der nur gegen die invasivsten Verfahren antritt, verschiebt das Bild. Es fehlen die Stufen davor:
- Beobachten und Medikamente: Hormonspirale (Levonorgestrel-IUS), Gestagene, GnRH-Analoga, Tranexamsäure gegen die Blutung. Bei vielen Frauen ist das die erste Stufe – mit dem Nachteil, dass sie nur wirkt, solange sie angewendet wird.
- Hysteroskopische Myomresektion: das Standardverfahren für submuköse Myome – also genau die Gruppe, in der Sonata die besten Zahlen hat. Wer Sonata mit dieser Gruppe begründet, muss sie auch als Vergleich nennen.
- Myomektomie (Bauchspiegelung oder Bauchschnitt): entfernt die Myome operativ, die Gebärmutter bleibt. Rezidive sind möglich.
- Uterusarterienembolisation (UAE): Verschluss der zuführenden Gefäße über einen Katheter. Uterus-erhaltend, kein Bauchschnitt, aber ebenfalls mit Re-Interventionsrisiko.
- Hysterektomie: die einzige definitive Lösung. Sie ist bei Blutarmut, Vorfall (Descensus), Adenomyose oder nach Versagen der Alternativen weiterhin berechtigt – sie ist nicht automatisch „zu viel", nur weil es Alternativen gibt.

Erneute Eingriffe über drei Jahre (Register- und Kohortendaten, Davis et al. 2018; VITALITY). Achtung: Die Zahlen im Text oben gelten für zwölf Monate – die Zeiträume sind nicht gleich, ein direkter Vergleich der beiden Zahlen ist unzulässig.
Verfügbarkeit in Deutschland und Kosten
Das Verfahren ist in Deutschland verfügbar, aber nicht flächendeckend. Zu den Kliniken, die es anbieten, gehören unter anderem:
- Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim (seit Mai 2025)
- Diako Kassel
- Euregio-Klinik
- Universitätsklinik Gießen
- Albertinen Krankenhaus Hamburg
- Josephs-Hospital Warendorf sowie Häuser in Bielefeld
Zur Kostenerstattung: Häufig ist eine fallbezogene Kostenübernahmeerklärung erforderlich, und es läuft eine Studie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Vor einem Eingriff sollte die Übernahme mit der Krankenkasse geklärt werden. Vor einer Gebärmutterentfernung besteht zudem ein Anspruch auf eine Zweitmeinung – erreichbar über die Kassen oder unter 116117.de/zweitmeinung.
Die zwei Fragen, die alles entscheiden
- Wie groß und wo genau liegen die Myome? Die FIGO-Klassifikation beschreibt die Lage in der Gebärmutterwand – und entscheidet mit darüber, welche Verfahren überhaupt infrage kommen.
- Besteht Kinderwunsch? Wenn ja, muss die begrenzte Datenlage für Sonata offen angesprochen werden – und die Alternativen müssen mitgedacht werden.
Glossar
- Myom – gutartiger Muskelknoten der Gebärmutterwand.
- FIGO-Klassifikation – Einteilung der Myome nach ihrer Lage in der Wand (0 = in die Höhle ragend bis 8 = außerhalb der Gebärmutter).
- TFA / TRFA – transzervikale (Radiofrequenz-)Ablation: Verödung des Myoms durch Hitze, Zugang über den Gebärmutterhals.
- UAE – Uterusarterienembolisation: Verschluss der Myom-versorgenden Arterien.
- G-BA – Gemeinsamer Bundesausschuss, entscheidet in Deutschland über die Erstattung durch die gesetzlichen Kassen.
- Re-Intervention – ein erneuter Eingriff am selben Befund, weil die Beschwerden zurückkommen.
Hinweis
Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Studien und Fachinformationen, keine medizinische Beratung. Er ersetzt kein Aufklärungsgespräch. Die Studien zu Sonata sind überwiegend herstellerfinanziert und einarmig; Zahlen sind, soweit nicht anders angegeben, nicht unabhängig gegengeprüft..
