28.10.2026

Sonata statt Gebärmutterentfernung: Was die Studienlage bei Myomen wirklich hergibt

Was ein Myom ist: ein gutartiger Muskelknoten in der Gebärmutterwand. Etwa jede zweite Frau entwickelt im Leben eines, Beschwerden haben aber nur etwa ein Viertel – vor allem starke oder verlängerte Blutungen, Druck auf Blase und Darm, Unterbauchschmerzen und daraus folgend Blutarmut (Anämie).

Bei Beschwerden stehen heute mehrere Wege zur Wahl: abwarten und beobachten, Medikamente, ein organerhaltender Eingriff – oder die Entfernung der Gebärmutter. Ein relativ neues Verfahren ist die transzervikale Radiofrequenzablation, bekannt als Sonata-System (Abkürzungen am Ende). Dieser Beitrag ordnet ein, was belegt ist, was unsicher ist – und welche zwei Fragen vor jeder Entscheidung geklärt sein sollten.

Schema: transzervikale Radiofrequenzablation — Uterus im Frontalschnitt, intramurales Myom FIGO 4, Sonde und RF-Nadel

Schemazeichnung, keine maßstabsgetreue Anatomie.

Was das Verfahren macht

Ein Gerät vereint eine Ultraschallsonde mit einem Applikator für Radiofrequenz. Es wird durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle eingeführt. Der Ultraschall zeigt die Myome in Echtzeit, anschließend verödet gebündelte Hitze das Myomgewebe. Es wird also Gewebe zerstört – das Myom wird nicht herausgeschnitten.

Der Eingriff dauert meist 15 bis 40 Minuten. Narkoseform und Aufenthalt sind je nach Zentrum unterschiedlich: Studien und Zentren berichten sowohl Sedierung als auch Vollnarkose, teils tagesklinisch, teils mit einer Übernachtung. Wer „in der Regel ambulant" verspricht, überzeichnet.

Was belegt ist – und von wem

Wichtig vorweg: Die zentralen Studien zu Sonata (SONATA, FAST-EU) und das Register VITALITY sind einnarmige Kohortenstudien ohne Vergleichsgruppe, überwiegend vom Hersteller finanziert. Sie zeigen, wie es den behandelten Frauen erging – sie zeigen nicht, ob ein anderes Verfahren besser gewesen wäre. Wer das nicht dazusagt, verkauft Marketing als Wissenschaft.

  • Blutung und Symptome: In der FAST-EU-Studie berichteten 86 Prozent der Frauen mit submukösen Myomen und 81 Prozent mit großen Myomen (über fünf Zentimeter) nach drei Monaten über eine Reduktion der Blutungsstärke. In der SONATA-Studie gaben nach zwölf Monaten rund 90 Prozent eine Symptombesserung an.
  • Erneute Eingriffe (12 Monate): Bei Frauen mit ausschließlich submukösen Myomen lag die Rate in FAST-EU bei 3,7 Prozent. In SONATA trat im Beobachtungszeitraum kein erneuter Eingriff auf – aus „0 von n" lässt sich aber keine Rate von 0 Prozent ableiten, das wäre statistisch falsch.
  • Komplikationen: Hersteller und Anwender berichten über mehr als 10.000 Anwendungen von sehr wenigen Komplikationen, meist vorübergehend stärkeren Blutungen oder Schmerzen. Das ist eine Selbstauskunft, keine unabhängige Erhebung.
  • Erfahrungsberichte aus der Praxis nennen Quoten von etwa 80 Prozent Beschwerdefreiheit nach drei Zyklen und 92 Prozent nach zwölf Monaten. Solche Zahlen sind Eindrücke aus Zentren, keine Studiendaten – sie gehören nicht in ein Evidenzkapitel, ohne genau so gekennzeichnet zu werden.

Was unsicher ist – und warum das wichtig ist

  • Kinderwunsch: Die Zulassungsstudien haben Frauen mit aktivem Kinderwunsch überwiegend ausgeschlossen. Es gibt Fallberichte über Schwangerschaften nach Sonata, und MRT-Daten deuten auf eine weitgehend erhaltene Gebärmutterwand hin. Das ist kein Beweis für eine sichere oder erhaltene Fertilität.
  • Direkter Vergleich: Es gibt keine Head-to-Head-Studien, die Sonata direkt mit Myomektomie, Hysterektomie oder Uterusarterienembolisation vergleicht. Jede Aussage über Überlegenheit ist ein indirekter Vergleich.
  • Grenzen der Methode: Bei submukösen und subserösen Myomen ist die Datenlage begrenzter. Für sehr große Myome oder sehr viele Myome fehlen belastbare Daten. Größe und Anzahl sind damit ein limitierender Faktor.
  • Kein Maßstab: Ob die Gebärmutterwand nach der Ablation in einer späteren Schwangerschaft stabil bleibt, ist nicht systematisch untersucht.

Sicherheit: was VOR dem Eingriff geklärt sein muss

Weil bei der Ablation Gewebe zerstört wird, ist der Weg danach versperrt: Das behandelte Myom steht nicht mehr für eine feingewebliche Untersuchung zur Verfügung. Deshalb gilt:

  • Vor jeder Ablation muss ein Malignom ausgeschlossen sein – durch Untersuchung und, wo indiziert, Endometriumsbiopsie.
  • Die Diagnostik davor (Ultraschall, ggf. MRT) entscheidet mit: Zahl, Größe und Lage der Myome müssen bekannt sein.
  • Eine Adenomyose (Gebärmutterwand-Befall, keine Myom-Indikation) muss abgegrenzt werden – sonst wird das falsche Verfahren gewählt.

Die Alternativen – vollständig, nicht ausgewählt

Ein Vergleich, der nur gegen die invasivsten Verfahren antritt, verschiebt das Bild. Es fehlen die Stufen davor:

  • Beobachten und Medikamente: Hormonspirale (Levonorgestrel-IUS), Gestagene, GnRH-Analoga, Tranexamsäure gegen die Blutung. Bei vielen Frauen ist das die erste Stufe – mit dem Nachteil, dass sie nur wirkt, solange sie angewendet wird.
  • Hysteroskopische Myomresektion: das Standardverfahren für submuköse Myome – also genau die Gruppe, in der Sonata die besten Zahlen hat. Wer Sonata mit dieser Gruppe begründet, muss sie auch als Vergleich nennen.
  • Myomektomie (Bauchspiegelung oder Bauchschnitt): entfernt die Myome operativ, die Gebärmutter bleibt. Rezidive sind möglich.
  • Uterusarterienembolisation (UAE): Verschluss der zuführenden Gefäße über einen Katheter. Uterus-erhaltend, kein Bauchschnitt, aber ebenfalls mit Re-Interventionsrisiko.
  • Hysterektomie: die einzige definitive Lösung. Sie ist bei Blutarmut, Vorfall (Descensus), Adenomyose oder nach Versagen der Alternativen weiterhin berechtigt – sie ist nicht automatisch „zu viel", nur weil es Alternativen gibt.

Balkendiagramm: erneute Eingriffe nach drei Jahren je Verfahren

Erneute Eingriffe über drei Jahre (Register- und Kohortendaten, Davis et al. 2018; VITALITY). Achtung: Die Zahlen im Text oben gelten für zwölf Monate – die Zeiträume sind nicht gleich, ein direkter Vergleich der beiden Zahlen ist unzulässig.

Verfügbarkeit in Deutschland und Kosten

Das Verfahren ist in Deutschland verfügbar, aber nicht flächendeckend. Zu den Kliniken, die es anbieten, gehören unter anderem:

  • Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim (seit Mai 2025)
  • Diako Kassel
  • Euregio-Klinik
  • Universitätsklinik Gießen
  • Albertinen Krankenhaus Hamburg
  • Josephs-Hospital Warendorf sowie Häuser in Bielefeld

Zur Kostenerstattung: Häufig ist eine fallbezogene Kostenübernahmeerklärung erforderlich, und es läuft eine Studie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Vor einem Eingriff sollte die Übernahme mit der Krankenkasse geklärt werden. Vor einer Gebärmutterentfernung besteht zudem ein Anspruch auf eine Zweitmeinung – erreichbar über die Kassen oder unter 116117.de/zweitmeinung.

Die zwei Fragen, die alles entscheiden

  1. Wie groß und wo genau liegen die Myome? Die FIGO-Klassifikation beschreibt die Lage in der Gebärmutterwand – und entscheidet mit darüber, welche Verfahren überhaupt infrage kommen.
  2. Besteht Kinderwunsch? Wenn ja, muss die begrenzte Datenlage für Sonata offen angesprochen werden – und die Alternativen müssen mitgedacht werden.

Glossar

  • Myom – gutartiger Muskelknoten der Gebärmutterwand.
  • FIGO-Klassifikation – Einteilung der Myome nach ihrer Lage in der Wand (0 = in die Höhle ragend bis 8 = außerhalb der Gebärmutter).
  • TFA / TRFA – transzervikale (Radiofrequenz-)Ablation: Verödung des Myoms durch Hitze, Zugang über den Gebärmutterhals.
  • UAE – Uterusarterienembolisation: Verschluss der Myom-versorgenden Arterien.
  • G-BA – Gemeinsamer Bundesausschuss, entscheidet in Deutschland über die Erstattung durch die gesetzlichen Kassen.
  • Re-Intervention – ein erneuter Eingriff am selben Befund, weil die Beschwerden zurückkommen.

Hinweis

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung öffentlich zugänglicher Studien und Fachinformationen, keine medizinische Beratung. Er ersetzt kein Aufklärungsgespräch. Die Studien zu Sonata sind überwiegend herstellerfinanziert und einarmig; Zahlen sind, soweit nicht anders angegeben, nicht unabhängig gegengeprüft..

12.10.2026

Erkältung oder Grippe? Wann Sie zum Arzt sollten – Fakten statt Panik

Sobald die Tage kürzer und die Räume wieder voller werden, beginnt es: ein Kratzen im Hals, die Nase läuft, der Kopf drückt. Die meisten dieser Infekte sind harmlos und heilen von selbst aus. Ein kleiner Teil braucht ärztliche Hilfe – und nur wenige sind ein echter Notfall. Dieser Artikel ordnet ein, ohne Panik zu machen und ohne etwas zu beschönigen.

Erkältung und echte Grippe sind nicht dasselbe

Umgangssprachlich heißt jeder Schnupfen „Grippe“. Medizinisch ist das falsch – und der Unterschied ist wichtig.

Eine Erkältung (grippaler Infekt) wird von vielen verschiedenen Viren ausgelöst, am häufigsten Rhino- und Adenoviren. Sie beginnt schleichend, bleibt meist bei Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und leichtem Fieber und klingt über ein bis zwei Wochen ab.

Die echte Grippe (Influenza) wird von Influenza-Viren verursacht. Sie beginnt oft abrupt: innerhalb weniger Stunden Schüttelfrost, hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, deutliches Krankheitsgefühl. Der Husten kommt später und kann wochenlang nachhallen. Die Grippe ist keine „stärkere Erkältung“, sondern eine eigene, ernst zu nehmende Erkrankung – besonders für ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke und kleine Kinder.

Der typische Verlauf

Bei einer unkomplizierten Erkältung bessern sich die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen, der Husten hält oft zwei bis drei Wochen. Fieber über 39 Grad, das länger als drei Tage anhält, oder ein Krankheitsgefühl, das zunächst besser und dann wieder deutlich schlechter wird, sind Warnzeichen.

Was zu Hause hilft – und was nicht

Hilfreich und gut belegt: ausreichend trinken, Ruhe, Feuchtigkeit in der Luft, bei Bedarf abschwellende Nasensprays für wenige Tage (nicht dauerhaft), Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol oder Ibuprofen in der zugelassenen Dosierung.

Weniger hilfreich: Vitamin-C-Tabletten zur Vorbeugung, „Infekt-Antibiotika“ ohne bakterielle Ursache, und das Durcharbeiten einer echten Grippe. Wer krank zur Arbeit geht, wird langsamer gesund und steckt andere an.

Wichtig: Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei einer reinen Erkältung oder Grippe helfen sie nicht – sie schaden eher, weil sie die Darmflora stören und Resistenzen fördern. Sie sind nur bei einer nachgewiesenen oder wahrscheinlichen bakteriellen Zusatzinfektion sinnvoll – das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Wann Sie zum Hausarzt sollten

Ein Termin in der normalen Sprechstunde ist sinnvoll bei:

  • Fieber über 39 Grad oder Fieber, das länger als drei Tage anhält
  • Atemnot, pfeifender Atmung oder Schmerzen beim tiefen Einatmen
  • eitrigem Auswurf oder eitrigem Nasensekret über mehrere Tage
  • starken Ohren- oder Gesichtsschmerzen
  • Grunderkrankungen wie COPD, Asthma, Herzschwäche, Diabetes oder Immunschwäche
  • Schwangerschaft
  • Säuglingen und kleinen Kindern mit Fieber
  • Beschwerden, die nach zehn Tagen nicht besser werden

Wann 116117 – und wann 112

Das ist die wichtigste Einordnung. Es gibt nicht nur einen Weg in die Akutversorgung, sondern mehrere.

Die Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst. Sie ist die richtige Adresse für alles, was dringend, aber nicht lebensbedrohlich ist: Fieber am Sonntagabend, eine schmerzhafte Ohrenentzündung, ein hartnäckiger Husten am Feiertag. Hier arbeiten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die Bereitschaftsdienst machen – telefonisch, in der Praxis oder als Hausbesuch. Wer wissen will, wie ein solcher Einsatz abgerechnet wird, findet die Details in unseren Beiträgen zur privaten Abrechnung nach GOÄ und zur Kassenabrechnung (GKV/EBM).

Die 112 ist der Notruf. Sie gehört zu Rettungsdienst und Notarzt und ist für lebensbedrohliche Situationen reserviert: schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit mit Fieber, Krampfanfälle, starke Brustschmerzen, eine blau-graue Lippenfarbe. Ein missbräuchlicher Notruf kann im Einzelfall Kosten nach sich ziehen und blockiert Kapazität, die jemand anderes dringend braucht.

Die dritte Adresse ist die Notfallpraxis am Krankenhaus: für Beschwerden, die sofort abgeklärt werden müssen, aber nicht lebensbedrohlich sind.

Kurz zusammengefasst

  • Erkältung und Grippe sind zwei verschiedene Erkrankungen.
  • Ruhe, Trinken und Feuchtigkeit sind die Basis; Antibiotika helfen bei Viren nicht.
  • Fieber über 39 Grad, Atemnot und lange Beschwerden gehören in die Sprechstunde.
  • Dringend, aber nicht lebensbedrohlich: 116117.
  • Lebensbedrohlich: 112.

Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als zu lange abzuwarten.

01.10.2026

Medizinische Abrechnung im Notfalldienst: Was hinter der Privatrechnung nach GOÄ steckt

Wer im Notdienst behandelt wird und keine gesetzliche Krankenversicherung im Spiel ist, bekommt statt der stillen Abrechnung über die Kassenärztliche Vereinigung eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ. Das betrifft Privatversicherte, Beihilfeberechtigte wie Beamte, Richter und Soldaten, Selbstzahler und Auslandsgäste. Auch im Notdienst gilt: Die GOÄ ist kein Wunschzettel, sondern ein präzises Regelwerk mit festen Punktzahlen, festen Punktwerten und klaren Grenzen für Steigerungen. Wer versteht, wie sie aufgebaut ist, kann eine Rechnung besser einordnen.
Die Grundformel ist einfach: Gebühr gleich Punktzahl mal Punktwert mal Steigerungsfaktor. Der Punktwert ist gesetzlich festgelegt und beträgt 5,82873 Cent. Jede einzelne Leistung in der GOÄ hat eine bestimmte Punktzahl. Multipliziert man diese Punktzahl mit dem Punktwert, erhält man den sogenannten Einfachsatz, also den Faktor 1,0. Der Arzt darf diesen Betrag steigern, aber nur innerhalb festgelegter Grenzen. Nach Paragraf 5 GOÄ liegt der Regelrahmen für persönliche ärztliche Leistungen zwischen dem 1,0-fachen und dem 2,3-fachen Satz. Bis zu diesem Schwellenwert von 2,3 ist eine Steigerung ohne besondere Begründung möglich. Erst darüber, also zwischen dem 2,3-fachen und dem 3,5-fachen Satz, muss der Arzt den erhöhten Aufwand schriftlich begründen. Eine Steigerung bis 3,5 ist also nicht der Normalfall, sondern an besondere Umstände gebunden.
Neben den eigentlichen Untersuchungs- und Behandlungsleistungen kennt die GOÄ Zuschläge für ungünstige Zeiten. Diese Zuschläge stehen nicht im Paragrafen 8, sondern in der Anlage 1, Abschnitt B V der Allgemeinen Bestimmungen. Der Zuschlag F gilt für die Zeit von 20 bis 22 Uhr sowie von 6 bis 8 Uhr und beträgt 260 Punkte, umgerechnet 15,15 Euro. Der Zuschlag G gilt für die Nachtzeit von 22 bis 6 Uhr und beträgt 450 Punkte, also 26,23 Euro. Der Zuschlag H gilt für Samstag, Sonn- und Feiertag und beträgt 340 Punkte, das sind 19,82 Euro. Daneben gibt es den Zuschlag E für eine dringend angeforderte oder unzeitgemäße Leistung mit 160 Punkten, also 9,33 Euro. Weitere allgemeine Zuschläge sind B mit 180 Punkten, C mit 320 Punkten und D mit 220 Punkten für Samstag, Sonn- und Feiertag. Wichtig ist die Regel, dass diese Zuschläge nur mit dem einfachen Gebührensatz berechnet werden, also nicht zusätzlich gesteigert werden dürfen.
Ein häufiger Irrtum betrifft das Wegegeld. Viele glauben, die Zuschläge F, G und H stünden in Paragraf 8 GOÄ. Das ist falsch. Paragraf 8 regelt das Wegegeld, das der Arzt für Fahrten zum Patienten ansetzen kann, sofern der Weg mehr als zwei Kilometer beträgt, und zwar gestaffelt, mit einem eigenen Anteil für Nachtfahrten. Die Zuschläge für Tages- und Nachtzeiten sind davon getrennt zu betrachten.
Besonders sensible Leistungen sind die Todesfeststellung und die Leichenschau, weil sie häufig nachts oder am Wochenende anfallen. Die Nummer 101 der GOÄ steht für die eingehende Leichenschau mit einer Dauer von mindestens 40 Minuten. Sie umfasst 2844 Punkte, also 165,77 Euro. Dauert die Leichenschau zwischen 20 und 40 Minuten, werden 60 Prozent dieses Betrages berechnet, das sind 99,46 Euro. Die Nummer 102 ist ein Zuschlag von 474 Punkten für besondere Umstände, etwa wenn die Identität unklar ist. Und hier greift eine Regel, die oft falsch dargestellt wird: Neben den Leistungen nach den Nummern 100 und 101 sind die Zuschläge F bis H ausdrücklich berechnungsfähig. Wer also nachts zu einer Leichenschau gerufen wird, kann die Zeit- und Feiertagszuschläge zusätzlich ansetzen. Die Behauptung, diese Zuschläge seien neben der Leistung nach Nummer 101 nicht möglich, ist unzutreffend.
Für Patienten ist es hilfreich, die Rechnung Zeile für Zeile zu lesen. Jede Position nennt eine Nummer, eine Leistungsbezeichnung, eine Punktzahl, den Steigerungsfaktor und den daraus errechneten Betrag. Fällt ein Steigerungssatz über 2,3 auf, muss eine Begründung in der Rechnung stehen. Fehlt sie, darf man nachfragen. Taucht ein Zuschlag für eine Zeit auf, in der die Behandlung gar nicht stattfand, lohnt ebenfalls der Blick auf die Uhrzeiten. Und wer privat versichert ist, sollte wissen, dass die Erstattung vom eigenen Tarif abhängt. Eine Rechnung nach GOÄ bedeutet nicht automatisch, dass die Versicherung jeden Betrag übernimmt, und in der privaten Krankenversicherung gibt es je nach Tarif unterschiedliche Erstattungssätze.
Ein letzter Punkt betrifft die Erwartungshaltung. Bei einem Notfall ohne vorherigen Behandlungsvertrag, etwa bei einem bewusstlosen Patienten, wird diskutiert, ob unter Umständen nach GOÄ abgerechnet werden kann, wenn kein Behandlungsvertrag zustande kommt. Diese Frage ist rechtlich umstritten und muss im Einzelfall geprüft werden. Sie darf nicht als sicherer Weg verstanden werden, um eine bestimmte Rechnungsart zu erzwingen. Wer eine Privatrechnung im Notdienst erhält, sollte sie aufbewahren, der Versicherung vorlegen und bei Unklarheiten die Abrechnungsstelle des Arztes oder die eigene Versicherung ansprechen. Ob und in welcher Höhe eine Erstattung erfolgt, ist immer eine Einzelfallentscheidung und von Tarif, Umständen und medizinischer Notwendigkeit abhängig.

Medizinische Abrechnung im Notfalldienst: Wie die Kassenabrechnung (GKV/EBM) funktioniert

Wenn es abends, am Wochenende oder an einem Feiertag gesundheitlich ernst wird, stehen Patienten in Deutschland vor einer Frage, die selten klar beantwortet wird: Wohin gehe ich eigentlich – und was kostet mich das? Dabei gibt es vier verschiedene Wege der Akutversorgung, die organisatorisch nichts miteinander zu tun haben. Wer sie kennt, kommt schneller an die richtige Hilfe und vermeidet unnötige Wege.
Der erste Weg ist der Notruf 112. Hier geht es um Notarzt und Rettungsdienst, also um lebensbedrohliche Situationen wie starke Brustschmerzen, schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder schwere Verletzungen. Der Rettungsdienst wird nach dem jeweiligen Landesrettungsdienstgesetz abgerechnet, nicht nach der Gebührenordnung für Ärzte. Für gesetzlich Versicherte trägt die Krankenkasse die Kosten des medizinisch notwendigen Einsatzes in der Regel. Wichtig zu wissen: Bei einem missbräuchlichen oder unechten Einsatz kann im Einzelfall ein Eigenanteil auf den Patienten zukommen. Die genauen Regelungen dazu sind von Land zu Land unterschiedlich und sollten nicht pauschal vorausgesetzt werden.
Der zweite Weg ist die Nummer 116117, der ärztliche Bereitschaftsdienst. Er ist die richtige Adresse für alles, was dringend ist, aber nicht lebensbedrohlich: eine fieberhafte Erkältung am Sonntagabend, eine schmerzhafte Blasenentzündung, ein verstauchter Knöchel. Der Bereitschaftsdienst arbeitet mit niedergelassenen Vertragsärzten, die in einer Bereitschaftspraxis Dienst tun oder Hausbesuche machen. Diese Versorgung ist im Sozialgesetzbuch verankert: Nach Paragraf 75 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) gehört der Bereitschaftsdienst zum Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Abrechnung läuft deshalb nicht direkt zwischen Arzt und Patient, sondern über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab, kurz EBM. Der EBM ist das Vergütungssystem für die gesetzliche Krankenversicherung. Leistungen werden dort in Punkten erfasst und quartalsweise abgerechnet. Für den Bereitschaftsdienst hält der EBM eigene Notdienstpauschalen bereit, die die sonst übliche Versicherten- oder Grundpauschale ersetzen; sie sind je Inanspruchnahme berechnungsfähig und untereinander nicht kombinierbar. Wie hoch die Punktzahlen sind, kann je Kassenärztlicher Vereinigung und Jahr abweichen und wird nicht in Euro garantiert.
Der dritte Weg ist die Krankenhaus-Notaufnahme. Sie ist für akute, unter Umständen auch schwerere Fälle gedacht und rund um die Uhr besetzt. Wird ein Patient ambulant behandelt und darf danach nach Hause, rechnet das Krankenhaus die Leistung nach Paragraf 120 Absatz 3 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) über die Kassenärztliche Vereinigung ab. Muss der Patient stationär aufgenommen werden, erfolgt die Abrechnung direkt mit der Krankenkasse, in der Regel über das DRG-System oder bei psychiatrischen Fällen über das PEPP-System.
Der vierte Weg ist der Hausbesuch des Notdienstes, den man ebenfalls über die Nummer 116117 anfordert. Er ist für Patienten gedacht, die nicht selbst in eine Praxis kommen können, etwa bei hohem Fieber oder starker Immobilität. Abgerechnet wird auch hier nach EBM, zusätzlich fällt eine Wegepauschale an.Wenn es abends, am Wochenende oder an einem Feiertag gesundheitlich ernst wird, stehen Patienten in Deutschland vor einer Frage, die selten klar beantwortet wird: Wohin gehe ich eigentlich – und was kostet mich das? Dabei gibt es vier verschiedene Wege der Akutversorgung, die organisatorisch nichts miteinander zu tun haben. Wer sie kennt, kommt schneller an die richtige Hilfe und vermeidet unnötige Wege.
Der erste Weg ist der Notruf 112. Hier geht es um Notarzt und Rettungsdienst, also um lebensbedrohliche Situationen wie starke Brustschmerzen, schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder schwere Verletzungen. Der Rettungsdienst wird nach dem jeweiligen Landesrettungsdienstgesetz abgerechnet, nicht nach der Gebührenordnung für Ärzte. Für gesetzlich Versicherte trägt die Krankenkasse die Kosten des medizinisch notwendigen Einsatzes in der Regel. Wichtig zu wissen: Bei einem missbräuchlichen oder unechten Einsatz kann im Einzelfall ein Eigenanteil auf den Patienten zukommen. Die genauen Regelungen dazu sind von Land zu Land unterschiedlich und sollten nicht pauschal vorausgesetzt werden.
Der zweite Weg ist die Nummer 116117, der ärztliche Bereitschaftsdienst. Er ist die richtige Adresse für alles, was dringend ist, aber nicht lebensbedrohlich: eine fieberhafte Erkältung am Sonntagabend, eine schmerzhafte Blasenentzündung, ein verstauchter Knöchel. Der Bereitschaftsdienst arbeitet mit niedergelassenen Vertragsärzten, die in einer Bereitschaftspraxis Dienst tun oder Hausbesuche machen. Diese Versorgung ist im Sozialgesetzbuch verankert: Nach Paragraf 75 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) gehört der Bereitschaftsdienst zum Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Abrechnung läuft deshalb nicht direkt zwischen Arzt und Patient, sondern über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab, kurz EBM. Der EBM ist das Vergütungssystem für die gesetzliche Krankenversicherung. Leistungen werden dort in Punkten erfasst und quartalsweise abgerechnet. Für den Bereitschaftsdienst hält der EBM eigene Notdienstpauschalen bereit, die die sonst übliche Versicherten- oder Grundpauschale ersetzen; sie sind je Inanspruchnahme berechnungsfähig und untereinander nicht kombinierbar. Wie hoch die Punktzahlen sind, kann je Kassenärztlicher Vereinigung und Jahr abweichen und wird nicht in Euro garantiert.
Der dritte Weg ist die Krankenhaus-Notaufnahme. Sie ist für akute, unter Umständen auch schwerere Fälle gedacht und rund um die Uhr besetzt. Wird ein Patient ambulant behandelt und darf danach nach Hause, rechnet das Krankenhaus die Leistung nach Paragraf 120 Absatz 3 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) über die Kassenärztliche Vereinigung ab. Muss der Patient stationär aufgenommen werden, erfolgt die Abrechnung direkt mit der Krankenkasse, in der Regel über das DRG-System oder bei psychiatrischen Fällen über das PEPP-System.
Der vierte Weg ist der Hausbesuch des Notdienstes, den man ebenfalls über die Nummer 116117 anfordert. Er ist für Patienten gedacht, die nicht selbst in eine Praxis kommen können, etwa bei hohem Fieber oder starker Immobilität. Abgerechnet wird auch hier nach EBM, zusätzlich fällt eine Wegepauschale an.
Für gesetzlich Versicherte ist eine wichtige Tatsache beruhigend: Für die ärztliche Konsultation im Bereitschaftsdienst gibt es keine direkte Zuzahlung. Die frühere Praxisgebühr wurde zum 1. Januar 2013 abgeschafft und ist seitdem nicht wiedergekommen. Wer also über die 116117, in der Bereitschaftspraxis oder durch einen Hausbesuch des Notdienstes behandelt wird, zahlt für die ärztliche Leistung selbst nichts. Anders kann es bei der privaten Krankenversicherung oder bei Selbstzahlern aussehen – dazu mehr im zweiten Artikel.
An dieser Stelle lohnt ein klarer Blick auf eine häufige Verwechslung: Der EBM und die Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ, sind zwei völlig verschiedene Werke. Der EBM regelt die Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung, die GOÄ die Abrechnung mit Privatpatienten, Beihilfeberechtigten, Selbstzahlern und Auslandsgästen. Wer beide vermischt, kommt zu falschen Erwartungen darüber, welche Beträge im Notdienst überhaupt entstehen können.
Was hilft im Alltag? Zuerst prüfen, ob Lebensgefahr besteht. Ist sie gegeben, ist die 112 richtig und jede Minute zählt. Ist die Situation dringend, aber nicht lebensbedrohlich, ist die 116117 der passende Weg – sie entlastet die Notaufnahmen und sorgt dafür, dass schwere Fälle dort schneller gesehen werden. Wer unsicher ist, kann bei der 116117 anrufen und die Lage schildern; die Mitarbeiter entscheiden dann, ob ein Bereitschaftsarzt, ein Hausbesuch oder doch die Notaufnahme sinnvoll ist. Für die Notaufnahme sollte man sich Zeit nehmen, denn dort werden die dringendsten Fälle zuerst behandelt, nicht die, die zuerst angekommen sind.
Ein letzter Punkt betrifft die Erwartung an die Kosten. Dass gesetzlich Versicherte im Bereitschaftsdienst keine direkte Zuzahlung leisten, bedeutet nicht, dass gar keine Kosten entstehen – die Krankenkasse und die Kassenärztliche Vereinigung verrechnen die Leistung untereinander. Für den Patienten bleibt es bei der Sachleistung. Ob im Einzelfall doch ein Eigenanteil anfällt, etwa nach einem Rettungseinsatz oder bei einer Behandlung, die nicht als Notfall anerkannt wird, hängt von den Umständen ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Abrechnung im Notdienst ist immer eine Einzelfallentscheidung; bei Fragen hilft die eigene Krankenkasse weiter.
Für gesetzlich Versicherte ist eine wichtige Tatsache beruhigend: Für die ärztliche Konsultation im Bereitschaftsdienst gibt es keine direkte Zuzahlung. Die frühere Praxisgebühr wurde zum 1. Januar 2013 abgeschafft und ist seitdem nicht wiedergekommen. Wer also über die 116117, in der Bereitschaftspraxis oder durch einen Hausbesuch des Notdienstes behandelt wird, zahlt für die ärztliche Leistung selbst nichts. Anders kann es bei der privaten Krankenversicherung oder bei Selbstzahlern aussehen – dazu mehr im zweiten Artikel.
An dieser Stelle lohnt ein klarer Blick auf eine häufige Verwechslung: Der EBM und die Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ, sind zwei völlig verschiedene Werke. Der EBM regelt die Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung, die GOÄ die Abrechnung mit Privatpatienten, Beihilfeberechtigten, Selbstzahlern und Auslandsgästen. Wer beide vermischt, kommt zu falschen Erwartungen darüber, welche Beträge im Notdienst überhaupt entstehen können.
Was hilft im Alltag? Zuerst prüfen, ob Lebensgefahr besteht. Ist sie gegeben, ist die 112 richtig und jede Minute zählt. Ist die Situation dringend, aber nicht lebensbedrohlich, ist die 116117 der passende Weg – sie entlastet die Notaufnahmen und sorgt dafür, dass schwere Fälle dort schneller gesehen werden. Wer unsicher ist, kann bei der 116117 anrufen und die Lage schildern; die Mitarbeiter entscheiden dann, ob ein Bereitschaftsarzt, ein Hausbesuch oder doch die Notaufnahme sinnvoll ist. Für die Notaufnahme sollte man sich Zeit nehmen, denn dort werden die dringendsten Fälle zuerst behandelt, nicht die, die zuerst angekommen sind.
Ein letzter Punkt betrifft die Erwartung an die Kosten. Dass gesetzlich Versicherte im Bereitschaftsdienst keine direkte Zuzahlung leisten, bedeutet nicht, dass gar keine Kosten entstehen – die Krankenkasse und die Kassenärztliche Vereinigung verrechnen die Leistung untereinander. Für den Patienten bleibt es bei der Sachleistung. Ob im Einzelfall doch ein Eigenanteil anfällt, etwa nach einem Rettungseinsatz oder bei einer Behandlung, die nicht als Notfall anerkannt wird, hängt von den Umständen ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Abrechnung im Notdienst ist immer eine Einzelfallentscheidung; bei Fragen hilft die eigene Krankenkasse weiter.

19.09.2026

Bauchschmerzen im linken Unterbauch: Fakten statt Panik

Bauchschmerzen im linken Unterbauch: Fakten statt Panik

Links unten im Bauch zwickt es — und die erste Google-Suche endet oft in Horror-Diagnosen. Ruhig bleiben: Der linke Unterbauch hat seine eigene, meist gutartige Geografie. Hier die Fakten.

## Die häufigsten Ursachen

- Darm: Das Sigma (S-förmiges Endstück des Dickdarms) sitzt links unten — Reizdarm, Verstopfung und Blähungen sind die häufigsten und harmlosesten Auslöser.
- Divertikulitis: Entzündete Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) im Sigma — die typische Diagnose bei linksseitigen Unterbauchschmerzen ab 40. Anhaltende Schmerzen, Fieber (auch leicht!), veränderter Stuhlgang, teils Übelkeit.
- Hernien: Leisten-/Schenkelbrüche können eingeklemmt sein (Notfall!) — bei älteren, schlanken Frauen besonders die Femoral-/Obturator-Hernie, oft ohne tastbare Schwellung.
- Harnwege: Nieren- oder Harnleiterstein links — kolikartige, wellenförmige Schmerzen, oft in Flanke und Leiste ausstrahlend.
- Bei Frauen: Eierstock/Eileiter (Zyklus, Zyste, Entzündung) — aber Achtung: Eileiterschwangerschaft und Ovarialtorsion sind Notfälle und müssen bei akuten Schmerzen ausgeschlossen werden.
- Ältere und immunsupprimierte Menschen (Steroide, Chemo, Diabetes): zeigen bei schweren Entzündungen oft KEIN Fieber und weniger Schmerz — hier muss die Warnschwelle niedriger liegen, nicht höher.
- Bauchwand: Muskeln/Bänder nach ungewohnter Bewegung — Druckschmerz beim Anspannen. Meist harmlos.
- Bei Dauerbeschwerden über 40: unklare linksseitige Beschwerden gehören auch zur Darmkrebs-Vorsorge (Koloskopie) — Divertikel und Tumor können koexistieren.

## Wann sofort zum Arzt (Notfall-Zeichen)

- Fieber oder Schüttelfrost (auch leicht!) zusammen mit anhaltenden Schmerzen — Divertikulitis-Verdacht.
- Harter, gespannter Bauch, schon leichte Berührung weh (Bauchfellentzündung — NOTFALL!)
- Kein Stuhl und keine Winde mehr bei zunehmenden Schmerzen, aufgetriebener Bauch, nicht stoppendes Erbrechen (Darmverschluss — NOTFALL!)
- Zeichen für schwere Infektion: Herzrasen, Kaltschweißigkeit, Verwirrtheit, schwacher Puls — NOTFALL.
- Blut im Stuhl: schmerzloser Blutabgang spricht für Divertikelblutung, Blut zusammen mit starken Schmerzen eher für Entzündung/Durchbruch — beides ärztlich.
- In der Schwangerschaft: jeder Unterbauchschmerz sofort ärztlich abklären.

## Was man selbst tun kann (bei leichten Beschwerden)

- Wärme (Wärmflasche) entspannt Darmkrämpfe; viel trinken, leicht verdauliche Kost.
- Keine Schmerzmittel auf eigene Faust: Sie maskieren Warnzeichen, und NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) erhöhen Studienlage zufolge das Risiko für Divertikulitis und komplizierte Verläufe (Perforation, Blutung).
- Beobachten und notieren: Wo genau? Konstant oder krampfartig? Fieber? Stuhl verändert? Diese vier Antworten helfen der ärztlichen Diagnose enorm.

## Fazit

Linker Unterbauch = Sigma-Land. Meistens Zicken des Darms — aber Schmerz mit Fieber (auch leichtem!) ist jenseits von 40 die Divertikulitis-Frage. Bei Älteren gilt: keine Schmerzen heißt nicht gesund. Ruhig beobachten, bei Warnzeichen nicht zögern.

Weiterlesen: RKI-Übersicht „Divertikulitis" · DGVS-Patientenleitlinien · Deutsche Herzstiftung

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Faktenstand nach RKI/DGVS-Leitlinien, konsiliert mit deepseek-v4.1 (19.09.2026), korrigiert von hermes. Kein Ersatz für ärztliche Beurteilung.

Das pulsierende Herz: Fakten statt Panik

Das pulsierende Herz: Fakten statt Panik

Das Herz schlägt „lub-dub" — und jeder Schlag ist ein kleine Ingenieursleistung. Hier sind die Fakten, ohne Panik.

## Der Rhythmus: lub-dub

- „Lub" = die Herzklappen zwischen Vorhöfen und Kammern schließen sich (Systole beginnt). „Dub" = die Taschenklappen schließen (Diastole). Zwei Geräusche, ein Schlag — deshalb hört sich ein Herzschlag gedoppelt an.
- Der Taktgeber ist der Sinusknoten — ein winziges Gewebe-Stück, das sich selbst reizt. Etwa 60–100 Schläge/Minute in Ruhe; Sportlerinnen und Sportler oft bei 40–60 (das Herz ist einfach effizienter).

## Ruhepuls — was normal ist

- Erwachsene: 60–100/Minute gilt als normal. Dauerhaft deutlich darüber (in Ruhe) oder unregelmäßige Aussetzer: ärztlich abklären.
- Nach Belastung braucht das Herz Minuten bis Stunden, um zum Ruhepuls zurückzukehren — je schneller, desto besser trainiert („Erholungspuls" ist ein Fitness-Signal).
- Nachts sinkt der Puls im Schlaf oft unter 60 — das ist normal und sogar gut.

## Wann zum Arzt?

- Puls >120 in Ruhe ohne Anlass, Pausen/Stolpern, Schwindel mit Herzrasen, Brustschmerz oder Atemnot → zeitnah ärztlich klären (beim Brustschmerz sofort).
- Messen: 30 Sekunden Puls an Handgelenk/Hals × 2 — ruhig sitzend, idealerweise morgens.

## Was das Herz stark hält

- Ausdauerbewegung (auch zügiges Gehen), Gewicht im Blick, Rauchstopp, Blutdruck/Zucker im Blick, Schlaf.
- Das stärkste „Herz-Medikament" bleibt: 150+ Minuten Bewegung pro Woche — WHO-Empfehlung.

## Fazit

Das lub-dub ist der zuverlässigste Motor, den du hast. Hör hin, aber panikfrei: Unregelmäßigkeiten, die bleiben, gehören in ärztliche Hände — alles andere erledigt der Alltag.

Weiterlesen: RKI „Herz-Kreislauf-Erkrankungen" · WHO-Faktenblatt körperliche Aktivität · Deutsche Herzstiftung

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Faktenstand nach WHO/RKI, geprüft am 19.09.2026.
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