Sobald die Tage kürzer und die Räume wieder voller werden, beginnt es: ein Kratzen im Hals, die Nase läuft, der Kopf drückt. Die meisten dieser Infekte sind harmlos und heilen von selbst aus. Ein kleiner Teil braucht ärztliche Hilfe – und nur wenige sind ein echter Notfall. Dieser Artikel ordnet ein, ohne Panik zu machen und ohne etwas zu beschönigen.
Erkältung und echte Grippe sind nicht dasselbe
Umgangssprachlich heißt jeder Schnupfen „Grippe“. Medizinisch ist das falsch – und der Unterschied ist wichtig.
Eine Erkältung (grippaler Infekt) wird von vielen verschiedenen Viren ausgelöst, am häufigsten Rhino- und Adenoviren. Sie beginnt schleichend, bleibt meist bei Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und leichtem Fieber und klingt über ein bis zwei Wochen ab.
Die echte Grippe (Influenza) wird von Influenza-Viren verursacht. Sie beginnt oft abrupt: innerhalb weniger Stunden Schüttelfrost, hohes Fieber, starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, deutliches Krankheitsgefühl. Der Husten kommt später und kann wochenlang nachhallen. Die Grippe ist keine „stärkere Erkältung“, sondern eine eigene, ernst zu nehmende Erkrankung – besonders für ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke und kleine Kinder.
Der typische Verlauf
Bei einer unkomplizierten Erkältung bessern sich die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen, der Husten hält oft zwei bis drei Wochen. Fieber über 39 Grad, das länger als drei Tage anhält, oder ein Krankheitsgefühl, das zunächst besser und dann wieder deutlich schlechter wird, sind Warnzeichen.
Was zu Hause hilft – und was nicht
Hilfreich und gut belegt: ausreichend trinken, Ruhe, Feuchtigkeit in der Luft, bei Bedarf abschwellende Nasensprays für wenige Tage (nicht dauerhaft), Schmerz- und Fiebermittel wie Paracetamol oder Ibuprofen in der zugelassenen Dosierung.
Weniger hilfreich: Vitamin-C-Tabletten zur Vorbeugung, „Infekt-Antibiotika“ ohne bakterielle Ursache, und das Durcharbeiten einer echten Grippe. Wer krank zur Arbeit geht, wird langsamer gesund und steckt andere an.
Wichtig: Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei einer reinen Erkältung oder Grippe helfen sie nicht – sie schaden eher, weil sie die Darmflora stören und Resistenzen fördern. Sie sind nur bei einer nachgewiesenen oder wahrscheinlichen bakteriellen Zusatzinfektion sinnvoll – das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wann Sie zum Hausarzt sollten
Ein Termin in der normalen Sprechstunde ist sinnvoll bei:
- Fieber über 39 Grad oder Fieber, das länger als drei Tage anhält
- Atemnot, pfeifender Atmung oder Schmerzen beim tiefen Einatmen
- eitrigem Auswurf oder eitrigem Nasensekret über mehrere Tage
- starken Ohren- oder Gesichtsschmerzen
- Grunderkrankungen wie COPD, Asthma, Herzschwäche, Diabetes oder Immunschwäche
- Schwangerschaft
- Säuglingen und kleinen Kindern mit Fieber
- Beschwerden, die nach zehn Tagen nicht besser werden
Wann 116117 – und wann 112
Das ist die wichtigste Einordnung. Es gibt nicht nur einen Weg in die Akutversorgung, sondern mehrere.
Die Nummer 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst. Sie ist die richtige Adresse für alles, was dringend, aber nicht lebensbedrohlich ist: Fieber am Sonntagabend, eine schmerzhafte Ohrenentzündung, ein hartnäckiger Husten am Feiertag. Hier arbeiten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die Bereitschaftsdienst machen – telefonisch, in der Praxis oder als Hausbesuch. Wer wissen will, wie ein solcher Einsatz abgerechnet wird, findet die Details in unseren Beiträgen zur privaten Abrechnung nach GOÄ und zur Kassenabrechnung (GKV/EBM).
Die 112 ist der Notruf. Sie gehört zu Rettungsdienst und Notarzt und ist für lebensbedrohliche Situationen reserviert: schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit mit Fieber, Krampfanfälle, starke Brustschmerzen, eine blau-graue Lippenfarbe. Ein missbräuchlicher Notruf kann im Einzelfall Kosten nach sich ziehen und blockiert Kapazität, die jemand anderes dringend braucht.
Die dritte Adresse ist die Notfallpraxis am Krankenhaus: für Beschwerden, die sofort abgeklärt werden müssen, aber nicht lebensbedrohlich sind.
Kurz zusammengefasst
- Erkältung und Grippe sind zwei verschiedene Erkrankungen.
- Ruhe, Trinken und Feuchtigkeit sind die Basis; Antibiotika helfen bei Viren nicht.
- Fieber über 39 Grad, Atemnot und lange Beschwerden gehören in die Sprechstunde.
- Dringend, aber nicht lebensbedrohlich: 116117.
- Lebensbedrohlich: 112.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit gilt: lieber einmal zu viel nachfragen als zu lange abzuwarten.
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